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Metakognition –
Die unterschätzten Lotsen unseres Innenlebens.

Von Ulrike GertzenUlrike Gertzen

Hallo und herzlich willkommen zu der Podcast-Reihe von addisca. Wir sind eine gemeinnützige Organisation und engagieren uns im Bereich Gesundheit und Prävention. Ich bin Ulrike Gertzen, Psychotherapeutin und Trainerin bei addisca.

Es soll heute darum gehen, besser zu verstehen, wie unser Denken funktioniert. Warum ist das wichtig? Naja ganz klar: unser Denkapparat ist unser ständiger Begleiter. Eigentlich soll er uns unterstützen, aber er hat auch einige Tücken, auf die ich dich aufmerksam machen möchte. Denn man kann tatsächlich „zu viel nachdenken“ bzw. den Apparat vor unlösbare Aufgaben stellen. Und das ist zeitraubend und in der Regel auch frustrierend und emotional belastend.

Es ist nichts Neues, wenn ich euch erzähle, dass unser Denken Einfluss auf unsere Gefühle hat und unsere Gefühle wiederum unser Verhalten beeinflussen. Doch in der Psychologie hat sich einiges getan, man spricht aktuell von der dritten Welle der Verhaltenstherapie und ich lade euch ein, jetzt einige Minuten mit mir auf dieser Welle zu surfen.

Das neue an diesem Ansatz ist super spannend und das möchte ich euch heute etwas näherbringen. Es wird um unsere Metakognitionen gehen. Das klingt erstmal unheimlich kompliziert, ist es aber gar nicht. Alle Menschen haben Überzeugungen über Ihr Denken, also so etwas wie: „Sowas denkt man doch nicht“, „ich habe aber komische Gedanken“ oder „jetzt mache ich mir schon wieder zu dem Thema einen Kopf- ich werde noch ganz verrückt“ oder „jedes Mal wenn ich daran denke, wird es mir schlecht“. Von diesen Annahmen bezüglich unserer Gedanken gibt es ganz unterschiedliche, euch fallen sicherlich einige dazu ein, vielleicht bei dir selbst und bei anderen.

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, was soll euch diese Erkenntnis bringen?

Ganz einfach: diese Überzeugungen haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie wir mit unserem Innenleben umgehen. Euer Denkapparat ist dafür gemacht, tagtäglich viele Gedanken zu produzieren und dann gibt es diese internen Lotsen, die vorgeben: „dieser Gedanke ist wichtig, denkt darüber nach“ oder „dieser Gedanke ist unangenehm, denkt an was anderes“. Diese Denklotsen bestimmen also, wie wir auf unsere Gedanken reagieren.

Und jetzt kommt‘s: auf diese Lotsen ist leider nicht immer Verlass. Manchmal liefern sie aus alter Gewohnheit Vorschläge, die uns das Leben echt erschweren, weil sie ungünstige Denkprozesse aufrechterhalten können. Und leider oft gerade dann, wenn wir einen guten Wegweiser am dringendsten brauchen.

Es gibt Denkprozesse, also Reaktionen auf Gedanken, die keinen nachhaltigen Effekt, aber unerwünschte Nebenwirkungen haben. Vor denen sind wir alle nicht gefeit, aber wir sind ihnen auch nicht hilflos ausgeliefert. Wir können Wissen erwerben über ungünstige Reaktionen und wir können Fertigkeiten erwerben, die uns helfen, uns selbst zu ertappen und danach die Richtung zu ändern.

Unsere Überzeugungen sind wie innere Lotsen und sie haben einen entscheidenden Einfluss darauf, ob wir auf Abwege geraten, die uns z. B. in Traurigkeit oder Selbstzweifeln verharren lassen.

Jeder von uns hat irgendwie seine Strategien entwickelt, um mit persönlichen Krisen und Schwierigkeiten umzugehen. Eine beliebte Strategie ist Ablenkung, dies funktioniert auch meist kurzfristig ganz gut.

Meine Mutter hat einen wunderschönen Garten und jedes Frühjahr geht sie durch Ihren Garten und beginnt mit der „Girsch-Vernichtung“. Jedes Blatt, was rausschaut, wird abgerupft. Wie komme ich darauf? Übertragen auf unser Innenleben ist Ablenkung manchmal so etwas wie Unkraut jäten. Oberflächlich ist erstmal alles super, ABER: der Girsch kommt wieder-man packt das Problem nicht an der Wurzel an. Und da kommen sie wieder ins Spiel - unsere Überzeugungen über unser Denken.

Das wichtigste ist, dass wir unsere Überzeugungen im Hintergrund verstehen und verändern, denn sonst landen wir immer wieder in den gleichen nicht hilfreichen Denkprozessen.

Deshalb empfehle ich euch eine kleine Übung: Achtet immer mal wieder darauf, was gerade in eurem Denkapparat abläuft. Worüber denkt Ihr nach? Und dann kommt die spannende Frage, die Ihr euch besonders dann stellen solltet, wenn euer Leben mal nicht so glatt läuft und zwar: Was erhoffe ich mir durch mein Nachdenken? Mit welchem Ziel denke ich gerade auf diese Art und Weise nach? Ich bin gespannt, welche Antwort euch über den Weg läuft. Meist höre ich etwas wie: „ich möchte eine Lösung für mein Problem bekommen“. Das möchten wir doch meist alle- doch Vorsicht: nicht jedes Problem, das uns im Kopf begegnet, lässt sich durch Nachdenken lösen und erst recht nicht wenn wir uns in ungünstigen Denkprozessen verheddern. Genau da beginnt Veränderung:

  • Erkennen, ob ich in einem ungünstigen Denkprozess stecke
  • Die Überzeugung erkennen, die ihn aufrechthält
  • Die Überzeugung überprüfen und ggf. anpassen
  • Sich von dem problematischen Denkprozess lösen

Heute habt Ihr etwas zu den Überzeugungen gelernt, die manchmal den Nährboden für ungünstige Denkprozesse darstellen. Ihr habt eine Übung bekommen, die Ihr durchführen könnt, um eure Überzeugungen, diese inneren Lotsen besser kennenzulernen. Damit habt Ihr einige wichtige Tools an der Hand, die Ihr nutzen könnt, wenn euch euer Leben mal wieder ein Strich durch die Rechnung macht.

Wenn Ihr mehr wissen möchtet dann seid gespannt auf die nächsten Podcasts oder schaut auch gerne auf unserer Homepage addisca.org vorbei.

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